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28. Dezember 2020
Management und Wirtschaft
Nachgefragt bei Prof. Dr. Thomas Deelmann und Prof. Dr. Andreas Krämer
Deelmann: „Irgendwie sind wir alle Berater.“
Die Autoren Prof. Dr. Andreas Krämer und Prof. Dr. Thomas Deelmann im Gespräch. (Foto: privat)
Kaum ein Berufsfeld polarisiert so sehr wie das der Unternehmensberatung. Prof. Dr. Thomas Deelmann und Prof. Dr. Andreas Krämer sind nicht nur in der Hochschullehre aktiv, sondern kennen die Branche als Berater-Berater wie kaum andere.
Im Herbst ist ihr erstes gemeinsames Buch beim Erich Schmidt Verlag erschienen: Consulting – ein Lehr-, Lern- und Lesebuch .
Herr Prof. Krämer, woher kommt dieser gemischte Blick auf die Berater und ihre Branche?
Andreas Krämer: Bei unserem Blick profitieren wir sicherlich von unseren kombinierten Erfahrungen: In der Beratung und auf Kundenseite, in der Praxis sowie in Lehre und Forschung.
Aber eine ausgewogene Darstellung erscheint uns auch geboten. Die Dienstleistung „Consulting“ ist ja nicht per se gut oder schlecht und genauso wenig sollte man denjenigen blind vertrauen, die Beratung verteufeln – oder sie anpreisen. Ein solcher kritischer Blick und eine differenzierte Betrachtung war uns wichtig und die haben wir dann auch zum Leitmotiv des Buches gemacht.
Dies war sicher eine besondere Herausforderung beim Verfassen des Buchs. Als Berater haben wir eine zwingend subjektive Sicht auf die Branche, sehen unsere eigene Beratungstätigkeit, die Interaktion mit den Kunden und die Situationen, in denen man sich mit anderen Beratern im direkten Wettbewerb befindet. Als Autoren mussten wir uns von dieser Perspektive lösen und eine distanzierte, objektive Perspektive verfolgen.
Ab wann ist man eigentlich Berater? Ab wann darf man die Bezeichnung Berater tragen?
Andreas Krämer: Das „darf“ jede und jeder zu jeder Zeit. In Deutschland ist die Bezeichnung nämlich nicht geschützt und es gibt keine verbindliche Ausbildung oder einen Test, der zum Führen der Bezeichnung berechtigt. Der Begriff „Berater“ ist daher auf den ersten Blick griffig, auf den zweiten Blick verschwommen. Griffig, weil darin ein grobes Tätigkeitsfeld deutlich wird, verschwommen, weil Berater vieles bedeuten kann. Viele Consultant nutzen deswegen zumindest erweiterte Beschreibungen, wie Marketing-, Organisations-, IT- oder HR-Berater. Die Tatsache, dass die Markteintrittsbarrieren denkbar gering sind – Berater nennen sich junge Studierende, die im Rahmen von Hochschul-nahen Beratungen einer Consultingtätigkeit nachgeben, aber auch ehemalige Vorstandsvorsitzende, die nach Ausscheiden aus der Top-Führungsposition weiter eine Tätigkeit nachgehen möchten – tragen auch nicht zur klaren Profilierung der Bezeichnung bei.
Über die Autoren
Prof. Dr. Thomas Deelmann arbeitet seit über 20 Jahren als, mit, für und über Berater. Er lehrt an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen, twittert @Ueber_Beratung, berät bei strategischen Fragen, schaut hinter die Kulissen der Arbeit von Beratern und ihren Kunden, kommentiert Marktentwicklungen aus der Vogelperspektive und ist unter anderem Herausgeber des Handbuchs der Unternehmensberatung.
Prof. Dr. Andreas Krämer ist Vorstandsvorsitzender der exeo Strategic Consulting AG in Bonn und lehrt an der University of Applied Sciences Europe, Fachbereich Wirtschaft in Iserlohn. Nach seiner Promotion arbeitete Andreas Krämer zunächst bei zwei führenden internationalen Beratungsgesellschaften, bevor er exeo im Jahr 2000 mit Schwerpunkt in der datengetriebenen Entscheidungsunterstützung im Marketing gründete. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen.
Und: Sind wir nicht alle irgendwie Berater? Was hat Beratung mit Berufs- und Lebenserfahrung zu tun?
Thomas Deelmann: Richtig! Irgendwie sind wir alle Berater. In fast jedem Berufsbild findet sich mittlerweile ein kleiner Anteil Beratung. Uns geht es aber um die Gruppe, die als „Consultants“ bezeichnet werden. Das kann man jetzt wunderschön definieren. Oder wir sagen pragmatisch, dass es uns bei Beratung um eine Haupttätigkeit geht (und eben nicht beispielsweise die Beratung im Vorfeld eines Produktkaufs) und dass Organisationen als Kunde im Fokus stehen (und nicht eine Person wie zum Beispiel beim Coaching).
Und in dem Feld, das sich jetzt auftut, können Beraterinnen und Berater als Fachexperten ebenso agieren wie die Ratgeber, die massiv von ihrer Lebens- und Berufserfahrung profitieren – beides ist möglich.
Sie beide sind auch in der Lehre tätig: Mit welchen Erwartungen kommen die Studierenden in Ihre Veranstaltung zum Thema Beratung? Was erwartet die junge Generation vom Berufsfeld Beratung?
Thomas Deelmann: Oh, man kann natürlich nicht alle über einen Kamm scheren. Aber es ist schon eine große Neugierde zu erkennen. Die Imagebroschüren der Beratungsfirmen sind auf der einen Seite schön gestaltet. Auf der anderen Seite wissen die Studierenden auch, dass es eben Werbung ist. Und vor diesem Hintergrund kommen Fragen zur Einordnung auf. Die Erwartung an das Berufsfeld ist dann recht realistisch: Oft ist es kein Zuckerschlecken, aber mit einer steilen Lernkurve und viel Gestaltungsmöglichkeiten.
Insofern hat die Tätigkeit als Consultant einen hohen Attraktivitätsgrad. Es bieten sich beste Möglichkeiten, das im Studium gelernte Wissen und die angeeigneten Kompetenzen in der Praxis anzuwenden und damit ein direktes positives Feedback zu erhalten. Allerdings haben die Unternehmensberatungen ihre „Alleinstellung“ insofern verloren, als dass diese Erfahrungen zunehmend auch in bekannten Großkonzernen, in dynamischen mittelständischen Unternehmen und in Start-ups gesammelt werden können. Lesen Sie den zweiten Teil des Interviews auf ConsultingBay .
 
Autor: Prof. Dr. Thomas Deelmann, Prof. Dr. Andreas Krämer
Von den einen geliebt, von anderen gemieden: Kaum ein Berufsfeld ist gleichzeitig so gefragt und so umstritten wie Consulting. Daher braucht es Sachlichkeit und Orientierung, um die Unternehmensberatung als Profession zu entdecken, besser zu verstehen und zu gestalten.
Die wichtigsten Entwicklungslinien, Qualifikationen, Karriereschritte und Managementaufgaben im Consulting von privaten und öffentlichen Organisationen zeichnen Thomas Deelmann und Andreas Krämer systematisch nach – mit aufschlussreichen Marktanalysen, neuester Forschung und prominenten Branchenstimmen.
Wie verläuft die „typische Beraterkarriere“ mit den Phasen Orientierung, Einstieg, Aufstieg – oder auch Ausstieg?
Was zeichnet eine moderne Beratungs-BWL aus , die Kunden- und Anbieterseite, aber auch Schnittstellen zur Marktforschung, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung u.a. erfasst?
Was unterscheidet das Mainstream-Consulting der großen Beratungshäuser von den zahlreichen Nischen, Varianten und Besonderheiten im Beratergeschäft?
Das erste „echte“ Lehr-, Lern- und Lesebuch, das die dynamische Branche und den facettenreichen Beraterberuf mit aktuellen Insider-Einblicken und vielen Beispielen ausleuchtet.
(ESV/uw)
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